Queueing - eine merkwürdige Eigenart
Wer schon einmal in Großbritannien war, der weiß, das es hier eine wichtige Regel gibt: "Stelle dich immer hinten an". Man könnte jetzt vermuten, dass man sich immer erst um andere kümmern soll, aber dem ist nicht so... Denn diese ungeschriebende Verhaltensregel im Umgang mit anderen Menschen besagt, dass man sich niemals vordrängeln darf.
In einer multikulturellen Stadt wie Aberdeen kann man den Unterschied zwischen Briten und Ausländern immer sehr schnell erkennen. Dafür muss man nur mal auf die Straße gehen. Briten stellen sich nämlich überall an. Und damit meine ich überall! Zwar ist das Anstellen (im englischen "queueing") an der Bushaltestelle schon merkwürdig aber die Menschen stellen sich hier auch an der Ampel an. Ich meine, wie verrückt ist das denn? Zwar gibt es hier nicht viele Ampeln, an denen die Menschen auch stehen bleiben, wenn sie rot ist (ich als Deutsche habe es sehr schwer, weil ich bei rot immer stehen bleibe) aber wenn die Briten dann mal warten, warten sie auch hintereinander.
Aber kommen wir zum Bus fahren. Viele kennen das ja. Man muss morgens mit dem Bus zur Schule fahren und will unbedingt einen Sitzplatz haben, damit man noch ein bisschen schlafen kann. Also versucht man natürlich als erster an der Bustür zu sein, damit man als erstes hinein kann. Am Berufskolleg in Dieringhausen wurde das ganze auf eine ganz andere Stufe gestellt, denn da ging es nicht nur um einen Sitzplatz, sondern um das pure Überleben. Denn wer nicht in den Bus passte, musste ja den Berg hochlaufen und das überlebt keiner. Demnach war das Gedrängel unglaublich. Zwar ist der Ansturm auf den Bus nicht überall in Deutschland so groß, aber trotzdem wird es dort niemals so geordnet zugehen wie hier in Großbritannien. Wenn man hier mit dem Bus fahren möchte, stellt man sich an der Bushaltestelle hinter den Menschen an die dort schon stehen. Das Wort "hinter" ist dabei sehr entscheident. Letztens wollte ich mit Alicia nach Hause fahren, nachdem wir eine Weile in der Stadt waren. Am Bushäuschen standen wir dann nebeneinander, weil wir uns unterhalten haben, gleichzeitig aber auch in die Richtung geguckt haben, aus der der Bus kommt. Wir standen also quaselnd nebeneinander, als plötzlich eine fermde Frau Alicia an die Schulter tippt und sie dann hinter mich schiebt. Dann ging die Frau einfach weiter. Wir haben uns danach nur verstört angeguckt, weil das schon ziemlich merkwürdig war.
Auch wenn an der Bushaltestelle viele Menschen stehen, darf man sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass man dadurch merkt wenn der eigene Bus kommt. Denn oft haben mehrere Buslinien die selbe Haltestelle, an der sie stehen bleiben. Wenn man also sieht, dass sein Bus kommt, wartet man trotzdem erst einmal eine Weile, ob einer von den Menschen vor einem, auch in den Bus wollen. Bewegt sich niemand, kann man aber trozdem nicht so einfach zu seinem Bus. Um weiterhin höflich zu sein, geht man langsam an den Wartenden vorbei, sieht jeden an und deutet auf den Bus. Damit frangt man, ohne zu reden, ob die Person auch auf den selben Bus wartet. Es kann ja natürlich sein, dass dieser den Bus noch nicht gesehen hat (ist zwar unwahrscheinlich, aber naja...). Damit der Bus aber nicht ohne einen weg fährt, muss man also ziemlich schnell reagieren und auf die Absichten der anderen Menschen achten. Man hat nur dann ein Problem, wenn man zur Hauptshoppingzeit auf der Union Street ist und 20 Menschen vor einem in der Schlange stehen... Aber immerhin fahren die Busse hier alle 20 Minuten.
Wenn man dann vor dem Bus wartet, um hinein zu gehen, lässt man immer erst die Menschen von innen heraus. Diese Regel gibt es in Deutschland zwar auch, aber da hält sich niemand dran. Und außerdem ist sie hier viel wichtiger, da die Busse nur eine Tür haben. Wer also rein will, muss die anderen erst Platz machen lassen.
Jaja, die Briten sind schon ein komisches Völkchen, aber trotzdem ist es hier sehr schön und immer wieder witzig. Ich hoffe ihr wisst jetzt, wie man sich hier im öffentlichen Straßenverkehr zu verhalten hat, ohne sofort als Ausländer identifiziert zu werden.
Bis bald, ich gehe bis dahin noch einige Eigenarten erforschen.
Eure Anna